Schwarzenberg/Erzgeb. Schwarzenberg ist eine Große Kreisstadt im sächsischen Erzgebirgskreis. Im 12. Jahrhundert als Befestigungsanlage zum Schutz eines Handelsweges angelegt, entwickelte sich die kleine Bergstadt zum Zentrum der gleichnamigen Herrschaft und des späteren Amtes Schwarzenberg. Bis zum Ende der DDR entwickelte sich die Stadt zum wichtigsten Waschmaschinenproduktionsstandort Osteuropas. Schwarzenberg wurde 1987 durch Stefan Heyms gleichnamigen Roman überregional bekannt, der in der Nachkriegszeit in der mehrere Wochen unbesetzten Stadt spielt. Mit etwa 19.000 Einwohnern ist Schwarzenberg heute Standort mittelständischer Unternehmen und entwickelt als Perle des Erzgebirges und Mitglied des Städtebundes Silberberg den Tourismus.
Geographische Lage
Geologie
Das Stadtbild wird von den einander gegenüberliegenden Felsen Ottenstein und Totenstein umrahmt, die wie der Felssporn mit der Altstadt aus grobflaserigem und mittelkörnigem Augengneis bestehen. Zudem finden sich Quarz, Biotit, Muskovit, augenförmig hervortretender Feldspat und vereinzelt Bergkristall.[3] Das Schwarzenberger Bergbaurevier ist von Erzadern mit einer komplexen Entstehungsgeschichte durchzogen. Die heutigen Skarnlagerstätten weisen Magnetit, Schwefelkies, Arsenkies, Kupferkies, Zinkblende und Bleiglanz auf. Die bis zu 6 Meter mächtigen Erzlagerstätten sind lokal mit Silber- und Cobalt-Mineralien und Zinnstein durchsetzt.[4]
Stadtgliederung und Nachbargemeinden
Den historischen Kern von Schwarzenberg bildet die Altstadt mit Markt, Schloss und St.-Georgen-Kirche innerhalb der heute nicht mehr vorhandenen Stadtmauern. Im Süden fügt sich die Vorstadt an, die um die erste Mühle der Stadt entstanden ist. Die Ende des 19. Jahrhunderts um den Bahnhof im Norden der Altstadt errichteten Fabrik- und Arbeiterwohngebäude bilden den Stadtteil Neustadt, der heute als Standort von Rathaus und Arbeitsamt Verwaltungszentrum der Stadt ist. In den 1960er Jahren entstand nordwestlich der Altstadt das Wohngebiet Hofgarten in Großblockbauweise. In den 1970er Jahren errichtete man im Westen des Rockelmanns ein weiteres Großblock-Wohngebiet, den heutigen Stadtteil Heide. Von 1981 bis 1991 entstand die Plattenbau-Siedlung Sonnenleithe am Nordrand der Stadt.
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts vergrößerte sich das Stadtgebiet durch Eingemeindungen kontinuierlich. 1913 ging Obersachsenfeld im Norden der Stadt an Schwarzenberg, 1919 folgten die angrenzenden Neuwelt und Untersachsenfeld und 1920 Wildenau am westlichen Stadtrand mit einer Siedlung auf dem Brückenberg. 1996 wurde Grünstädtel (etwa 2,5 Kilometer östlich des Stadtkerns) eingemeindet. 1999 folgten Bermsgrün mit Jägerhaus und Erla mit Crandorf im Süden der Stadt. Das 2008 eingemeindete Pöhla befindet sich im Süden von Grünstädtel.
Schwarzenberg grenzt im Nordosten an Grünhain-Beierfeld, im Osten an Raschau-Markersbach, im Süden an Breitenbrunn und Sosa sowie im Westen Bockau und Lauter.
Flora
Schwarzenberg befindet sich inmitten bewaldeter Anhöhen im Naturpark Erzgebirge/Vogtland.[5] Die flache Kuppe des Galgenberges ist vornehmlich mit Fichtenwald bedeckt. Die Terrassen an den Waldrändern sind mit einem dichten Gebüsch aus Bergahorn, Espe, Eberesche, Hasel und Vogelkirsche bewachsen.[6] Auf dem Ottenstein befinden sich vereinzelt Rotbuchen und Weymouthkiefern.[6] Die bekannteste Pflanze der Stadt ist das Schwarzenberger Edelweiß, eine spanische Wucherblume, die Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Rinde der Korkeiche in die Stadt gelangte.
Geschichte
Gründung
Bergfried: ältester Teil des Schlosses
Kurfürstliches Wappen mit Jahreszahl 1558 auf dem Eingangstor des Schlosses
Schwarzenberg wurde erstmals 1282 als civitas Swartzenberg urkundlich erwähnt. Bei Grabungen des Landesmuseums für Vorgeschichte Dresden wurden 1977 Keramikscherben gefunden, die man zeitlich um das Jahr 1200 einordnet. Man geht daher davon aus, dass bereits deutlich früher eine Siedlung auf dem benannten Gebiet bestanden hat. Als etwaiges Gründungsjahr Schwarzenbergs und Ausgangspunkt für die 850-Jahr-Feier der Stadt 2000 wurde das Jahr 1150 festgelegt.
Die Stadt entstand aus einer Befestigungsanlage, die vermutlich durch Herzog Heinrich II. von Österreich, den ersten urkundlich nachgewiesenen Besitzer der späteren Herrschaft Schwarzenberg, zum Schutz eines wichtigen Handelsweges zwischen dem Pleißenland und Böhmen in dem sonst unbesiedelten Gebiet angelegt wurde.
Einer Sage nach soll einer der Ottonischen Kaiser, dem man auch die Gründung der Stadt selbst zu verdanken habe, die Stadt so genannt haben, wie der Berg, auf dem sie gebaut ist, sich ihm zeigte. Auch seriöse Quellen gehen davon aus, dass die Stadt ihren Namen dem äußeren Erscheinungsbild seiner Umgebung verdankt, der dichten, dunklen Bewaldung, die sich von weitem wie ein schwarzer Berg erhob.
Schwarzenberg bis 1533
1170 soll Schwarzenberg in den Besitz Kaiser Barbarossas übergegangen sein, der es seinem Sohn Kaiser Heinrich VI vererbte. Danach wechselten die Besitzer mehrfach, 1334 ist die Familie Lobdeburg als meißnische Lehnsträger von Stadt und Herrschaft Schwarzenberg nachgewiesen, 1425 gelangten diese in den Besitz der Tettauer, von denen 1533 der sächsische Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige die Herrschaft für 126.000 Gulden erwarb.
Die Anlage der Schwarzenberger Burg bildete die Grundlage für die Entstehung der umliegenden Dörfer und späteren Stadtteile für die Versorgung der Burgherren. Die Siedlung am Brückenberg entstand um ein altes Vorwerk, das vermutlich im Zuge der Erstbesiedlung entstanden war. Die damaligen Grünhainer Klosterdörfer Sachsenfeld und Wildenau werden in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erwähnt, in Erla ist 1380 der Betrieb eines Hammerwerkes bezeugt, die Dörfer Crandorf und Bermsgrün entstanden wenig später.
Um 1500 lebten in Schwarzenberg 48 Bürger mit ihren Familien. Die Stadt war Sitz eines Bergmeisters, der im Auftrag der Herren von Tettau die Bergbautätigkeit in der Herrschaft leitete. Eine Zwangsmühle in der Vorstadt verarbeitete die Getreide der Einwohner Schwarzenbergs und der umliegenden Dörfer. Im Zuge der Reformation wurde die Stadt evangelisch.
Kurfürstlicher Amtssitz
1535 zerstörte ein Stadtbrand das Rathaus am Markt und die Schule in der Badergasse. Die alte Kirche und der Kugelhammer in der Vorstadt wurden wenig später erstmals erwähnt. Um 1550 lebten 73 Hausbesitzer mit ihren Familien innerhalb der Stadtmauern, in der Vorstadt befanden sich 36 Häuser. Kurfürst August ließ 1555 bis 1558 die Burg zu einem kurfürstlichen Jagdschloss umbauen und erwarb im Jahr darauf das Dorf Sachsenfeld.
Im Verlauf des 16. Jahrhunderts entwickelte sich Schwarzenberg zu einem Verwaltungszentrum. Die Stadt war Sitz des gleichnamigen kurfürstlichen Amtes und Mittelpunkt eines umfangreichen Eisen- und Zinnbergbaureviers mit eigenem Bergamt. 1579 wird erstmals eine Schwarzenberger Knappschaft erwähnt. An die Bergbautradition der Stadt wird mit einer jährlichen Bergparade erinnert.
1574 fanden in der Stadt zu Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Michaelis jeweils dreitägige Jahrmärkte statt.
Stadtbild um 1627
Stadtansicht um 1627
Am Oberen Tor
Anhand der ältesten erhaltenen Abbildung der Stadt, einer Federzeichnung Wilhelm Dilichs von 1627, lässt sich das ursprüngliche Stadtbild erahnen. Am Ende der Oberen Schloßstraße steht an exponierter Stelle das kurfürstliche Jagdschloss, das seine heutige Gestalt 1852 erhielt. Am anderen Ende der Straße ist der Dachreiter des Rathauses auf der Ostseite des Marktes zu erkennen. Das dritte auffällige Gebäude im historischen Stadtkern war die Kirche, die im 17. Jahrhundert zu klein und durch die St.-Georgen-Kirche ersetzt wurde. Neben der alten Kirche befand sich der Friedhof an der Stelle, die heute als Unterer Markt bezeichnet wird. Bald wurde auch der Gottesacker zu klein und durch einen zweiten, außerhalb der Stadtmauern, entlastet und später ganz ersetzt. Von den Stadtmauern selbst ist bereits auf Dilichs Zeichnung nichts mehr zu sehen. Bis heute haben sich lediglich die Bezeichnungen Oberes Tor und Unteres Tor erhalten. Als die Gebäude innerhalb der Stadt für die stetig wachsende Bevölkerung nicht mehr ausreichten, errichtete man Häuser auch außerhalb der Stadtmauer. Auf der oben genannten Zeichnung lassen sich unterhalb der Kirche die Gebäude der Vorstadt erkennen.
Dreißigjähriger Krieg
Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges wurde Schwarzenberg mehrfach von kaiserlichen Truppen überfallen. Bei einem Angriff des Generals Heinrich von Holk fielen 1632 16 Bürger der Stadt, die sich dessen Soldaten in den Weg gestellt hatten. Die vorgewarnten Einwohner der Stadt waren mit ihren Habseligkeiten in die umliegenden Wälder geflohen. Im Oktober 1634 wurde Schwarzenberg von Oberst Schönickel eingenommen und gebrandschatzt. Im November desselben Jahres fielen 200 Dragoner in die Stadt ein und plünderten diese erneut.
Bevölkerung, Gewerbe und Post
Ende des 17. Jahrhunderts lebten in 138 Wohnhäusern 116 Angesessene und 56 unangesessene Bürger. In Besitz der 700 Einwohner der Stadt (ohne Kinder) waren 20 Pferde, 19 Ochsen, 27 Ziegen, 150 Kühe, 100 Schafe und viele Kleintiere. 1695 sorgten in Schwarzenberg 15 Bäcker und acht Fleischer für die Versorgung der Bürger, zudem gab es fünf Handelsleute, insgesamt 60 Schlosser, Schmiede, Zinngießer, Tischler, Hutmacher, Posamentierer, Glaser, Seifensieder, Leinweber, Seiler, Weiß- und Lohgerber und jeweils einen Uhrmacher, Orgelbauer, Gürtler und Büchsenschäftler.
Bei einem großen Brand wurden 1709 große Teile der Stadt zerstört. Zu den wenigen vom Feuer verschonten Gebäuden zählten das Schloss und die Kirche, deren Turm von den Flammen erfasst wurde, sodass die Glocken, die aus der alten Kirche dorthin überführt worden waren, schmolzen.[14] Die meisten der ältesten Schwarzenberger Häuser wurden nach dem Stadtbrand errichtet. 1724 stellte man an der Kreuzung der Straßen nach Annaberg und nach Grünhain am Unteren Tor eine kursächsische Distanzsäule auf, die nicht erhalten ist. Eine Ganzmeilensäule, die man an einer Passstraße zwischen Sachsen und Böhmen aufgestellt hatte, befindet sich noch heute im Ortsteil Crandorf. Seit 1785 war Schwarzenberg zwei Mal wöchentlich Station der Poststrecke zwischen Annaberg und Schneeberg.
19. Jahrhundert
1823 fand die letzte Hinrichtung in Schwarzenberg statt. Die Werkzeuge des städtischen Scharfrichters sind im Museum ausgestellt. Bei einem Stadtbrand 1824 wurde ein Großteil der zumeist in Fachwerkbauweise gebauten Häuser zerstört. Die Stadt wurde in ihrer heutigen Gestalt, zumeist mit dem Granit des Rockelmann-Steinbruchs wiederaufgebaut. Im ganzen Königreich Sachsen wurde zur Unterstützung der „abgebrannten“ Schwarzenberger gesammelt, wie eine Anzeige in der Dresdner Abend-Zeitung vom 5. Juni 1824 belegt: „Nur einer solchen [Anzeige] bedarf es bei dem ehrenwerthen Unternehmen der hiesigen K. S. musikalischen Kapelle zum Besten der in Schwarzenberg Abgebrannten … D i e J a h r e s z e i t e n aufzuführen, … umfür einen so menschenfreundlichen Zweck … der zahlreichen Teilnahme entgegensehen zu können.“
Die Zeit nach dem Stadtbrand war geprägt von der Modernisierung und Erweiterung der städtischen Wirtschaft und Infrastruktur. 1825 legte man einen neuen Friedhof außerhalb der alten Stadtmauern an, 1834 wurde eine Likörfabrik, 1836 ein Zainhammerwerk und 1839 eine Glasfabrik gegründet. 1849 wurde eine Selektenschule am unteren Markt als Vorgänger des heutigen Gymnasiums eingeweiht. 1858 wurde die Eisenbahnstrecke Zwickau–Schwarzenberg eröffnet. Im Jahr darauf wurde auf dem Bahnhofsgelände eine Postexpedition mit 16 Postillionen und fünf bis sechs Postschaffnern und -zugbegleitern eingerichtet. Im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts wurden ein Turnverein, eine Freiwillige Feuerwehr und weitere Fabriken, u.a. die Schwarzenberger Hütte, gegründet. 1875 entstand das Königlich Sächsische Amtsgericht zu Schwarzenberg. Für die 1883 eingeweihte Eisenbahnstrecke nach Johanngeorgenstadt wurde ein Tunnel durch den Schlossfelsen getrieben, der heute gelegentlich für kulturelle Veranstaltungen verwendet wird. 1889 wurde die Eisenbahnlinie nach Annaberg fertiggestellt. Zur Steigerung der Effizienz des Klöppelwesens errichtete man in der Stadt und den umliegenden Dörfern Klöppelschulen. In der 1884 gegründeten Obererzgebirgischen Frauen- und Haushaltungsschule Schwarzenberg wurden Mädchen zu Hausfrauen erzogen.[16] Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich die Stadt zu einem Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum für die nähere Umgebung entwickelt. Schwarzenberg war Sitz von Amtshauptmannschaft, Amtsgericht und verschiedener Ämter und Inspektionen. 1898 waren 16 Vereine in der Stadt aktiv, drei Schulen sorgten für die Bildung der Schüler, vier Ärzte und eine Apotheke standen für die medizinische Versorgung zur Verfügung. Eine große Zahl Handwerker, Dienstleister, Händler und Fabriken bildeten das wirtschaftliche Rückgrat der Stadt, in der außerdem die beiden Zeitungen Erzgebirgischer Volksfreund (täglich) und Schwarzenberger Tageblatt (4-mal in der Woche) erschienen.
Wirtschaftliche und kulturelle Blüte
In der Zeit um die Jahrhundertwende stand Schwarzenberg in einer großen wirtschaftlichen und kulturellen Blüte. 1899 zog der Industrielle und Badewannenfabrikant Louis Krauß von Neuwelt nach Schwarzenberg und gründete mit den Kraußwerken in Wildenau den Vorläufer eines späteren Hauptarbeitgebers der Stadt. In einem neu entstandenen Industriegebiet in der Neustadt siedelte sich eine Beierfelder Schnitt- und Stanzwarenfabrik an, die heute als Tochter der KUKA Systems GmbH betrieben wird. Weitere Fabrikansiedlungen folgten.
Der Mundartdichter Curt Rambach war in derselben Zeit in Schwarzenberg aktiv. Auf Liedpost- und Ansichtskarten des Verlages Wilhelm Vogel wurden erzgebirgische Ansichten und Volksweisen über die Grenzen der Region hinaus verbreitet. Von 1901 bis 1905 lebte die Familie Ernst Jüngers in der Oberen Schloßstraße. Unter der Leitung des Stadtmusikdirektors Carl Hermann Keßler fand in Schwarzenberg 1910 das letzte Obererzgebirgische Sängerfest vor dem Ersten Weltkrieg statt. Im Jahr darauf trat die im früheren Kugelhammer geborene, spätere Sopranistin an der Metropolitan Opera Elisabeth Rethberg in Schwarzenberg erstmals öffentlich auf. 1919 wurde der Heimatforscher Walter Fröbe Lehrer in der Schwarzenberger Realschule. Er gilt als wichtigster Chronist der Stadt.
Zwischen den Weltkriegen
1914 wurde in Anwesenheit des sächsischen Prinzen Johann Georg und seiner Frau Maria ein Bezirksstift für Waisenkinder und Arme errichtet, das heute als onkologisches Fachkrankenhaus Marienstift betrieben wird. Im Jahr darauf wurde der Grundstein für die Realschule, das heutige Gymnasium, an der Straße nach Bermsgrün gelegt. 1916 wurde der Bau fertiggestellt. Für die 165 im Ersten Weltkrieg gefallenen Schwarzenberger wurde 1926 ein Denkmal im neu angelegten Rockelmannpark aufgestellt. Nachdem 1913 bereits die Landgemeinde Obersachsenfeld und der Gutsbezirk Sachsenfeld eingemeindet worden waren, vergrößerte sich das Stadtgebiet mit den Eingemeindungen von Neuwelt 1919 und Wildenau 1920 weiter. In dieser Zeit lebten in der Stadt etwa 10.000 Einwohner. In 75 gewerblichen Anlagen waren 9.000 Menschen aus Schwarzenberg und den umliegenden Gemeinden beschäftigt. Die Eröffnung der Kraftomnibuslinie Grünhain–Schwarzenberg–Aue 1920 wurde durch den Bau der ersten Tankstelle der Stadt begünstigt. Die Infrastruktur wurde durch die Einrichtung weiterer Buslinien und der Modernisierung des Telefon- und Wasserleitungsnetzes weiter verbessert. Neue Wohnsiedlungen entstanden am Lehnberg, am Becherberg und am Rockelmann
Am 3. Juli 1931 verursachte ein Hochwasser des Schwarzwassers erhebliche Schäden in Ufernähe im Bereich von Badwiese, Bad Ottenstein und Vorstadt.
1934 wurde durch den Reichsstatthalter Martin Mutschmann der Grundstein für den Bau der Waldbühne als Thingplatz gelegt, der vier Jahre später als Grenzlandfeierstätte eingeweiht wurde und heute nur gelegentlich als Veranstaltungsort genutzt wird. Die Bauarbeiten wurden als Maßnahme des Reichsarbeitsdienstes durchgeführt. Im Zweiten Weltkrieg, bei dem die Stadt nicht direkt durch Kampfhandlungen betroffen war, fielen mindestens 233 Schwarzenberger Einwohner. Auf dem alten Friedhof erinnern Gräber mit einfachen Holzkreuzen und ein sowjetisches Ehrenmal an die Opfer des Krieges.
Nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach der Kapitulation des Deutschen Reiches blieb Schwarzenberg aus historisch nicht geklärten Gründen zunächst unbesetzt (siehe Freie Republik Schwarzenberg). Am 11. Mai 1945 übernahmen mehrere Bürger Schwarzenbergs mit einem antifaschistischen Aktionsausschuss die Initiative, um das entstandene Machtvakuum zu füllen. Diese Episode endete bereits am 25. Juni 1945 mit dem Einmarsch sowjetischer Truppen. 1984 schuf der Schriftsteller Stefan Heym mit seinem an die damaligen Ereignisse angelehnten Roman „Schwarzenberg“ den Begriff Republik Schwarzenberg. Um diese Zeit rankt sich eine rege Legendenbildung. 2004 beschäftigte sich auch der Schriftsteller Volker Braun mit dieser Geschichte.
Unter sowjetischer Militärverwaltung wurde mit der Enteignung der Schwarzenberger Industriebetriebe begonnen. 1948 wurden die Krauß-Werke zum VEB Erzgebirgische Waschgerätefabrik, in der bis zum Ende der DDR Waschmaschinen für das gesamte Land hergestellt wurden. 1949 entstanden erste HO-Läden in der Stadt. 1952 wurde Schwarzenberg Sitz des neu gegründeten gleichnamigen Kreises. Der zweite Pfarrer von St. Georgen war in dieser Zeit Mitglied der Volkskammer der DDR. Nach dem schrittweisen Aufbau des DDR-Systems in Schwarzenberg verließ 1956 die bis dahin stationierte sowjetische Einheit die Stadt im Zuge einer Großkundgebung. Mit dem Neubau der Wohngebiete Hofgarten, Wilhelm Pieck und Ernst Thälmann wurde man der stetig steigenden Bevölkerungszahl gerecht. Das Versorgungssystem wurde mit dem Bau einer Poliklinik, weiterer Schulen und Kindertagesstätten erweitert.
Politische Wende und Neubeginn
Im Herbst 1989 trafen sich auch in Schwarzenberg Einwohner der Stadt auf dem Marktplatz, um gegen das DDR-Regime zu protestieren. Nach dem Zusammenbruch der DDR wurde die wirtschaftliche Struktur der Stadt umgestaltet. Die Volkseigenen Betriebe wurden privatisiert und entließen oft einen Großteil ihrer Mitarbeiter, was zu einer erheblichen Arbeitslosenquote führte. Damit ging ein Bevölkerungsrückgang durch Fortzug und geringe Geburtenzahlen einher. 1990 lebten in der Stadt 20.216 Menschen, 2006 waren es trotz mehrerer Eingemeindungen nur noch 18.579. Dennoch führte das Ende der DDR auch zu positiven Folgen für die Stadt. Verkehrswege und große Teile der Altstadt wurden saniert, die Schulgebäude und weitere öffentliche Einrichtungen wurden erneuert, und es siedelten sich zumeist mittelständische Unternehmen in Gewerbegebieten in und um Schwarzenberg an.
Religionen
Schwarzenberg verfügt über mehrere Kirchgemeinden. Zur evangelisch-lutherischen St.-Georgen-Kirchgemeinde im Kirchenkreis Aue gehören die Schwesterkirchen in Crandorf und Neuwelt mit jeweils einem eigenen Pfarrer. Die Gemeinde unterhält einen Kindergarten in Wildenau. Die evangelisch-methodistische Zionskirche neben der Stadtschule war das erste von den Methodisten gebaute Kirchengebäude im Königreich Sachsen. Eine weitere Gemeinde befindet sich in Neuwelt. Die römisch-katholische Pfarrkirche Heilige Familie im Dekanat Zwickau befindet sich in Wildenau, wo sich außerdem eine neuapostolische Gemeinde und die Gemeinschaft in Christo Jesu zu Gottesdiensten versammeln. Im Stadtteil Heide befindet sich ein Gemeindehaus der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.
Wie in fast der gesamten früheren DDR ist die Mehrheit der Bevölkerung konfessionslos.
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