Crottendorf Crottendorf ist eine Gemeinde an der Zschopau im Erzgebirgskreis, Sachsen, Deutschland.
Geografische Lage
Crottendorf liegt im Erzgebirge an den nördlichen Ausläufern des Fichtelbergs, direkt am Beginn des Zschopautals. Der Ort zieht sich auf einer durchschnittlichen Höhe von 650 m auf einer Länge von fast 6 km von Nord nach Süd an der Zschopau entlang. Im Osten wird er durch die Hänge des Schießbergs (795 m) und des Liebensteins (756 m), im Westen durch die flacher zulaufenden Wiesen- und Heidegebiete bis zum Fuße des Scheibenbergs (807 m) eingegrenzt.
Gliederung
Zu Crottendorf gehört seit dem 1. Januar 1999 der Ortsteil Walthersdorf.
Geschichte
Das genaue Gründungsjahr von Crottendorf ist nicht überliefert. Man geht allerdings davon aus, dass der Ort Mitte des 12. Jahrhunderts als Erblehen der Meinheringer in der Grafschaft Hartenstein gegründet wurde. Ursprünglich wurde Crottendorf als bäuerliches Waldhufendorf mit angeblich 16 Hufen angelegt.
Gegründet wurde der Ort Crottendorf auf dem Gebiet, das zum Reichslehen der Meinheringer gehörte. Die Burg der Meinheringer in diesem Gebiet wird erst als Burg Hartenstein, dann als Schloss Hartenstein bezeichnet. Das Reichslehen wird 1157 erstmals bezeugt und die Burg wurde 1170 fertig gestellt.
Im Jahr 1406 wird die Grafschaft Hartenstein von den Meinheringern an den Herrn Veit von Schönburg verpfändet. In der Verpfändungsurkunde vom 2. Juli 1406 wird Crottendorf zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Durch Einfälle der Hussiten zwischen 1406 und 1438 wurde das Dorf ausgeplündert und die Kirche so geschändet, dass sie nach ihrem Wiederaufbau vom Bischof neu geweiht werden musste. 1439 wurden die Schönburger endgültig Besitzer der Grafschaft Hartenstein und damit auch Lehnsherren über Crottendorf.
Aufgrund des Erzreichtums des Gebirges werden in der Umgebung die Bergstädte Scheibenberg (1522) und Oberwiesenthal (1527) gegründet. In Crottendorf selbst gab es keine Silbervorkommen, es war jedoch ein wichtiger Ort zur Verwaltung der „Hohen Wälder“.
1539 führten die Schönburger in ihrem Land, zu dem auch Crottendorf gehörte, den evangelischen Glauben ein. 1559 verkaufen die Schönburger den östlichen Teil der Grafschaft Hartenstein, den so genannten „oberwäldischen“ Teil, für 146.000 Gulden an die Wettiner. Damit gehört Crottendorf zu Kursachsen.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Crottendorf wiederholt von plündernden und mordenden Truppen überfallen. Diese schleppten auch die Pest ein. Das Jahr 1633 gilt als besonders schlimmes Pestjahr. Nach dem Krieg wurde die von einem Blitz beschädigte Kirche wiederaufgebaut und 1654 eingeweiht.
1771 und 1772 kam es zu schlimmen Missernten. Im Jahre 1772 starben 331 Menschen an Hungersnot. Das waren ca. siebenmal mehr Todesfälle als in anderen Jahren. Trotz der Kriege und Hungersnöte hatte Crottendorf um das Jahr 1800 ca. 1700 Einwohner.
1836, 1837, 1878 und 1898 wurden Schulgebäude gebaut. Die beiden letzteren dienen auch heute noch als Schule.
1889 wurde zusammen mit der Strecke Schwarzenberg - Annaberg-Buchholz die Stichstrecke von Walthersdorf nach Crottendorf eröffnet. Die 6 km lange und überwiegend durch die Straßen Crottendorfs und Walthersdorfs führende Strecke erlangte durch die Wiederaufnahme des Dampfbetriebes im Jahre 1982 überregionale Bekanntheit, nachdem dieser 1977 schon einmal eingestellt worden war. 1996 legte der Betreiber die 1988 wieder "verdieselte" Strecke still, im Jahre 2000 wurde die Trasse abgebaut.
Im Ersten Weltkrieg fielen 175 Soldaten aus Crottendorf. Zu diesen kommen noch viele Vermisste und zivile Tote. Im Zweiten Weltkrieg fielen 221 Crottendorfer Männer. Wiederum sind dabei die vielen Vermissten und die zivilen Opfer nicht berücksichtigt.
Nach dem Krieg stieg die Einwohnerzahl von Crottendorf durch Flüchtlinge und Wismut-Bergarbeiter auf ca. 8000. Im Juni 1945 wurde Crottendorf Teil der sowjetischen Besatzungszone und war auch von 1948 bis 1954 sowjetische Garnison. Der Kreis Annaberg wurde wegen des Uranabbaus von der sowjetischen Besatzungsmacht bis 1959 zur Sperrzone erklärt. In Crottendorf selbst wurde kein Uran abgebaut.
Ursprung der Ortsbezeichnung
Woher der Name Crottendorf stammt, ist nicht gänzlich geklärt. Es existieren zwei Vermutungen zu seinem Ursprung.
Die erste Erklärung ist, dass die ersten Siedler so viele Kröten bzw. Schildkröten vorfanden, dass sie dem neu gegründeten Dorf ursprünglich den Namen „Krötendorf“ gaben. Diese Meinung korrespondiert auch mit dem Dorfwappen, welches eine gelbe Schildkröte auf grünem Grund zeigt.
Eine zweite Erklärung besagt, dass der Lokator des Dorfes ein Ritter von Crotten aus dem kleinen Ort Crottendorf bei Bindlach in Franken war. Mit dieser Erklärung korrespondieren die Fakten, dass das Dorf ursprünglich auf fränkische Art angelegt wurde und dass mit dem fränkischen Ort sowohl sprachliche als auch architektonische Gemeinsamkeiten bestehen.
Crottendorfer Marmor
Unter Kurfürst August I. (1553-1586) wurde im Erzgebirge nach wirtschaftlich verwertbarem Gestein gesucht. Im Rahmen dieser Suche wurde auch der südlich des Ortes gelegene Kalckbergk entdeckt, dessen Kalkstein Marmorqualität aufwies. Eine erste urkundliche Erwähnung des Vorkommens liegt mit einer Verkaufsurkunde aus dem Jahr 1559 vor. Der planmäßige Abbau im Tagebau setzte aber erst 1587 ein, nachdem auch der kurfürstliche Architekt und Bildhauer Giovanni Maria Nosseni auf das Lager aufmerksam wurde. Der geförderte Marmor diente v.a. der Herstellung von Bau- und Kunstwerken. In Kalköfen gebrannter Marmor kam darüber hinaus auch als Bindemittel im Baugewerbe zum Einsatz. Künstler fertigten aus Crottendorfer Marmor zudem Schmuckstücke. In der Sammlung des Grünen Gewölbes befindet sich eine Marmordose, die der Goldschmied Paul Ingermann um 1723 in vergoldetes Silber fasste.
1754 ging der Marmorabbau in den Staatsbesitz über. Er behielt bis ins 19. Jahrhundert hinein Bedeutung, davon zeugte nicht zuletzt eine 1829 erfolgte Besichtigung des Bruches durch Prinz Friedrich August II. und den Oberberghauptmann Sigismund August Wolfgang von Herder. Zu dieser Zeit waren etwa 20 Steinbrecher im Bruch beschäftigt, der Vertrieb des Marmors erfolgte über Verkaufslager, die sich in den größeren Städten Sachsens befanden. Ende des 19. Jahrhunderts verlor Marmor seine Bedeutung als Baumaterial, so dass die Blockgewinnung 1884 und die Branntkalkherstellung 1900 eingestellt wurde.
Eine Neuaufnahme des Abbaus erfolgte ab 1946. Die nunmehr industriell betriebene Gewinnung erfolgte auf 3 Sohlen parallel im Tage- wie Tiefbau. Die Abbauleistung steigerte sich auf bis zu 30.000 t Rohstein pro Jahr. Verwendung fand der Marmor u.a. als Branntkalk, Terrazzo, in der Celluloseindustrie, zur Düngemittelherstellung sowie als Möller im Stahlwerk Riesa. Der Abbau erfolgte auf den einzelnen Sohlen im Kammerbau. Die bis zu 10 m hohen Abbaukammern schwächten allerdings die Standsicherheit des Gebirges, so dass Teile der 2. Sohle zusammenbrachen. Am Rand des Tagebaus kam es 1969 bis 1973 zu größeren Rutschungen, so dass die Förderung wegen akuter Bruchgefahr am 8. Juni 1973 eingestellt wurde.
Der Crottendorfer Marmor fand über Sachsen hinaus nur vereinzelt Anwendung. Für folgende Verwendungsbeispiele ist ein Nachweis möglich:
* Fürstengruft im Freiberger Dom, einzelne Teile * Dom St. Petri in Bautzen (1702) * Innengestaltungen vom Rathaus von Amsterdam (1715-16) * einzelne Fußbodenplatten in der katholischen Hofkirche in Dresden (1738-55) * Denkmal für Christian Fürchtegott Gellert in Leipzig (1774 von Adam Friedrich Oeser geschaffen) * Denkmal für Königin Caroline Mathilde von Dänemark im Französischen Garten von Celle (1775 von Adam Friedrich Oeser geschaffen) * Denkmal für Friedrich August III. in Leipzig, heute im Park des Gohliser Schlösschens (1780 von Adam Friedrich Oeser geschaffen) * Verblendungen im Reichstagsgebäude in Berlin
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